Die NetCarb-Rechnung!

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Die NetCarb-Rechnung!

Immer wieder taucht auf Proteinriegeln die Bezeichnung „NetCarb“ oder „Netto-Carb“ auf und noch häufiger bleibt bei den Käufern ein großes Fragezeichen zurück, was es denn nun damit auf sich hat.

Was sind NetCarbs?

Da ich auch immer wieder E-Mails zu dem Thema bekomme, verdeutliche ich euch das an einem Beispiel: der Proteinriegel XYZ enthält bei einem Gewicht von 100g insgesamt 30g Kohlenhydrate, die sich wie folgt zusammensetzen:

5g Zucker + 10g Ballaststoffe + 15g Zuckeraustauschstoffe = 30g Brutto-Kohlenhydrate.

Die meisten Hersteller geben dann auf der Verpackung „nur 5g NetCarbs“ an, weil die Ballaststoffe und Polyole als „nicht, oder nur geringfügig den Insulinspiegel beeinflussend“ betrachtet und daher aus den Kohlenhydraten herausgerechnet werden.

Die NetCarb-Rechnung sieht also folgendermaßen aus:

Brutto-Kohlenhydrate (30g) – Ballaststoffe (10g) – Zuckeraustauschstoffe (15g) – Polydextrose = NetCarb (5g)

Der Glykämische Index

Die entscheidende Frage für eine Kategorisierung innerhalb der NetCarb-Rechnung ist also, inwiefern und in welchem Ausmaß die Kohlenhydrate den Blutzuckerspiegel beeinflussen. Um Kohlenhydrate diesbezüglich zu unterscheiden, nutzt man den Glykämischen Index (GI). Der GI enthält eine Aussage darüber, wie stark und schnell ein Lebensmittel nach dem Verzehr den Blutzuckerspiegel ansteigen lässt. Der Referenzwert von 100 entspricht dem Anstieg des Blutzuckerspiegels nach dem Verzehr von 50g Glucose (Traubenzucker). Wenn ein Lebensmittel also einen GI von 50 hat, steigt der Blutzuckerspiegel halb so stark an, wie bei der gleichen Menge Glucose.

Zuckeralkohole (Polyole)

Polyole finden sich sich mittlerweile in fast allen Proteinriegeln als Zuckeraustauschstoff wieder. Am häufigsten wird Maltit verwendet, dass allerdings ein entscheidendes Manko aufweist: es führt zwar zu einem geringeren (im Vergleich zu Glucose), aber trotzdem messbaren Anstieg des Blutzuckerspiegels. Verschiedene Formen von Maltit haben einen GI zwischen 35 und 53, weshalb es zumindest teilweise in die NetCarb-Rechnung eingehen muss. Im Gegensatz dazu kann Erythrit mit einem GI von 0 aufwarten und wäre daher die deutlich bessere Alternative und ein Entscheidungskriterium für einen echten Diät-Riegel.

Übersicht des Glykämischen Index verschiedener Polyole (nach Livesey 2003):

PolyolGI
Erythrit0
Xylit13
Sorbit9
Isomaltit9
Maltit35
Versch. Maltit-Sirup36-53

Ballaststoffe

Ballaststoffe sind unverdaulichen Bestandteile der komplexen Kohlenhydrate in der Nahrung, die dennoch energetisch (ca. 2Kcal/g) verwertet werden. Sie entgehen der Verdauung im Dünndarm und werden stattdessen im Dickdarm zu kurzkettigen Fettsäuren umgeformt. Aufgrund ihrer starken Quellwirkung verzögert sich die Magenentleerung, wodurch der Blutzuckerspiegel nur langsam und verzögert ansteigt. Dabei wird zwischen löslichen (verzögernde Wirkung über mehrere Stunden) und unlöslichen (verzögernde Wirkung bis zu 24 Stunden) unterschieden. Je höher also der Anteil der unlöslichen Ballaststoffe in einem Lebensmittel ist, umso niedriger ist der GI des Lebensmittels und umso geringer ist der Anstieg des Blutzuckerspiegels!

Hinweis:

Da in amerikanischen Produkten aufgrund des verwendeten Messverfahrens die Ballaststoffe in der Kohlenhydratangabe enthalten sind, müssen diese separat herausgerechnet werden, während europäische Lebensmittel grundsätzlich die Ballaststoffe gesondert aufführen!

Bewertung der NetCarb-Rechnung

Aus meiner Sicht ist es falsch, nicht zwischen Stoffen mit einem geringfügigen und keinem Einfluss auf den Blutzuckerspiegel zu differenzieren. Die Polyole haben einen unterschiedlich starken Einfluss auf den Blutzuckerspiegel, der durchaus berücksichtigt werden sollte. Mit Erythrit als Zuckerersatzstoff ist man allerdings auf der sicheren Seite.
Bei den Ballaststoffen und der häufig verwendeten Polydextrose ist das Ganze etwas einfacher, denn sie werden nicht in die NetCarb-Rechnung mit hereingenommen. Ballaststoffe als solche können nicht bezüglich des GI klassifiziert werden, denn die Bezeichnung „Ballaststoffe“ ist lediglich ein Oberbegriff und hat daher als solcher keinen GI. Entscheidend sind also die Zutat und ihre spezifische molekulare Zusammensetzung.

Problematik der praktischen Anwendung

Eine Rechnung sieht dann in der Praxis folgendermaßen aus:

Quest Bar – Strawberry Cheesecake    
Kohlenhydrate (26g) Ballaststoffe (17g) Erythrit (5g) = 4g NetCarbs

Jetzt tritt folgendes Problem auf: Auf der Verpackung stehen 2g Zucker, die normalerweise als NetCarbs eingerechnet werden würden, allerdings ergibt unsere Rechnung nun 4g NetCarbs! Es ist nicht klar woher diese zusätzlichen 2g Kohlenhydrate kommen und wieso sie nicht in den Nährwertangaben aufgeführt sind.

Für uns Käufer von Proteinriegeln ist es also kaum möglich die echten NetCarbs zu berechnen, da die genauen Mengen der einzelnen Zutaten nicht bekannt sind. Auch das vollständige herausrechnen der Ballaststoffe und die anteilige Anrechnung der Polyole ist umstritten. Wer auf das Konzept der NetCarbs setzt muss den Herstellern vertrauen, aber Hand aufs Herz: wer will das schon?

Ich persönlich rechne in einer Diät ALLE Kohlenhydrate vollständig an, denn damit bin ich auf der absolut sicheren Seite und umgehe komplizierte und fehleranfällige Rechnungen. Wer das Konzept der NetCarbs nutzt, hat es da deutlich schwerer.

Hier findet ihr die möglichen Rechenvarianten mit dem Beispiel-Riegel von oben!

Wie ist eure Meinung zum Thema NetCarb-Rechnung?

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Empfohlene Literatur:

Freeman, J. & Hayes, C. (2004). “Low-Carbohydrate” Food Facts and Fallacies. In: Diabetes Spectrum 17 (3), S. 137-140.

Jie et al. (2000). Studies on the effects of polydextrose intake on physiologic functions in Chinese people. In: The American Journal of Clinical Nutrition, 72 S. 1503–1509.

Livesey, G. (2003). Health potential of polyols as sugar replacers, with emphasis on low glycaemic properties. In: Nutrition Research Reviews 16, 163–191.


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